Briefmarken-Literatur
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Deutsche Briefmarken Zeitung
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Herausgeber: M. & H. Schaper Philatelie-Verlag GmbH
Preis: € 3,50
Erscheinungsrhythmus: 14-tägig
Tatsachen
Die Deutsche Briefmarken Zeitung versucht erst gar nicht den Eindruck zu erwecken, für den normalen Briefmarkensammler gemacht worden zu sein. Selbst auf ein "Editorial", also die kurze Besprechung der Ausgabe, auf Rückblicke oder eine Vorausschau verzichtet man.
Wenn ich mir jedoch den Inhalt dieser alle 14 Tage erscheinenden, 84 Seiten + vorder- und rückseitiger Werbefahne schwachen Zeitschrift anschaue, dann erscheint ein solches Editorial tatsächlich als völlig unangebracht.
Man kann diese Ausgabe grob dreiteilen:
1. Werbung und PR
2. Neuheiten und deren Begleiterscheinungen
3. Geschichte - und, ganz am Rande, ein wenig zu einer 140 Jahre alten Serie.
Rund 35 Seiten dieser Ausgabe sind reine Werbeanzeigen, zu denen natürlich noch viele Seiten PR zu zählen sind, also der kostenlose redaktionelle Werbeblock für die "Großinserenten".
Da Messen, Tauschtage, Börsen und Ausstellungen auch nichts anderes sind als Veranstaltungen der Verkaufslobby, zählen die Hinweise darauf ebenso als Werbung, was den Werbeanteil um weitere etwa 15 Seiten anwachsen läßt.
Und rechnet man nun noch die Kleinanzeigen hinzu, die weitere 4 überwiegend gewerblich veranlaßte Seiten belegen, die im "Ankauf" aus fast ausschließlich Portoankäufern besteht, sind wir schon bei ca. 54 Seiten Werbung, also 64 % der Ausgabe!
Jetzt muß man sich die Frage stellen, wo die Besprechung von Neuausgaben und deren Begleiterscheinungen, also Machwerk speziell für Sammler, einzustufen ist, die sage und schreibe weitere ca. 15 Seiten dieser Ausgabe einnimmt. Richtig, das ist auch nichts anderes als Werbung, also PR für die Postverwaltungen.
Und somit sind nun schon 69 Seiten dieses Heftes mit Werbung irgendwelcher Art gefüllt.
Es gibt weiterhin einen Bericht, der, als "Titelthema", dem "Kosmographen" Gerhard Mercators gewidmet ist. 13 Abbildungen von Briefmarken mit Bezug zum Thema umrahmen das auf 4 Seiten geschriebene, das, abgesehen davon, seinerseits keinerlei Bezug zur Philatelie erkennen läßt.
Der Unterschied zu Wikipedia besteht grob gesagt darin, daß dort bedeutend mehr Information angeboten wird - allerdings ohne Briefmarkenabbildungen.
73 Seiten sind gefüllt!
Genau so verhält es sich bei einem zweiseitigen Beitrag über Charles Dickens: 6 Abbildungen von Briefmarken plus die von 5 Stempeln - im Beitrag kein Bezug zur Philatelie.
75 Seiten sind gefüllt!
Eine Seite mit dem Titel "Markt & Marken" widmet sich Druckzufälligkeiten und Plattenfehler der Brustschild-Ausgabe, eine weitere, mit dem Titel "Für Schatzsucher" der gleichen Ausgabe und dem gleichen Thema?
77 Seiten sind gefüllt!
Eine weitere Seite beklagt sich darüber, daß die Post nur noch Fehldrucke von Euro-Marken prüfen wolle, eine Seite beschreibt die Entstehung und Bedeutung des Wortes "Post", eine weitere, Titel "Kurz und knapp", zeigt u.a. eine unbekannte HAN, ein DDR-Postamt, das geschlossen wurde, zwei Marken Mocambiques mit dem Abbild des Polen Lech Kaczynski, eine nur einmal bekannte Germania-Ausgabe mit Aufdruck und zwei weitere Stücke.
Der Rest besteht aus Inhaltsverzeichnis, Impressum, Vorschau.
Differenzen
92,4 % des Inhalts dieser Ausgabe besteht aus Selbstdarstellung, Werbung mit umfangreicher PR und Füllthemen in Form von Geschichte und Geschichten mit teils komplett fehlendem Bezug zur Briefmarke.
7,6 % der Beiträge schließlich haben zwar einen Bezug zur Briefmarke, die Art der Berichterstattung läßt den kritischen Leser jedoch aufhorchen. Dem Sammler wird die Fähigkeit abgesprochen, eigene, vor allem folgerichtige Entscheidungen treffen zu können - nur die Briefmarkenlobby scheint dazu fähig.
Bewertung
Selten ist bei einer Zeitschrift so klar zu erkennen, daß ausschließlich wirtschaftliche Interessen ihren Inhalt prägen. Lukrative Werbung wird mit umfangreicher Publik Relation unterstützt, bis in die Einzelbeiträge setzt sich die Zielsetzung fort. Mit geringem redaktionellen Aufwand wird die Zeitschrift mit leicht recherchierbaren Geschichten aufgefüllt - und so weiter gewinnoptimiert.
Das alles ist von der Ausgangsposition her völlig legal und auch normal, der wirtschaftliche Erfolg steht hier absolut im Vordergrund - wenn der stimmt, stimmt das Konzept.
Es macht aber auch deutlich, daß wirtschaftliche Abhängigkeit, ob (insbesondere) bei einem Verband oder bei Firmen, eine neutrale Position nicht zuläßt.
Das muß ein Nutzer erkennen und entsprechend handeln.
Im vorliegenden Fall ist deshalb festzustellen, daß diese Briefmarken-Zeitschrift dem "normalen" Briefmarkensammler nicht nur so gut wie kein Wissen vermittelt, in dem wenigen, das man darunter vielleicht einstufen könnte, spürt der kritische Leser zusätzlich, daß seine Meinung deutlich tendenziell beeinflußt werden möchte.
Urteil
Nicht empfehlenswert !
Tipp
Es gibt leider keine Alternative, auch in diesem Bereich macht sich das Fehlen einer unabhängigen, nur die Interessen der Briefmarkensammler vertretenden Lobby wieder sehr negativ bemerkbar.
Man darf gespannt sein, wann ein Verlag endlich begreift, daß eine Zeitschrift, die ausschließlich die Interessen der Sammler vertritt und von denen auch gekauft wird, für die gleichen Inserenten weit interessanter wäre, als die heute sich selbst darstellenden, für Sammler völlig uninteressanten Blätter.