Briefmarken-Literatur
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Bewertung    Michel Sammler ABC
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Typ: Sammelanleitung
Autor: Gerhard Webersinke
Verlag: Schwaneberger Verlag GmbH
ISBN: ja (im Buchhandel erhältlich)
Preis: € 9,80
Erscheinungsdatum: 2009
Erscheinungsrhythmus: einmalige Anschaffung
Anspruch
Eine Anleitung zu seinem Hobby, dem Briefmarkensammeln, ist für jeden noch nicht so "fest im Sattel" der Philatelie sitzenden Sammler eine unabdingbare Notwendigkeit. Sie sollte die Grundregeln nennen, und, noch viel wichtiger, sagen, welche Fehler man machen kann, wo die Fallstricke dieses Hobbys liegen.
Briefmarkensammler, ob gestandene oder "Anfänger", solche, die schon fast Profis sind (den "richtigen" Profis ist eh´ nicht mehr zu helfen), die, die das Hobby aus Spaß an der Freude betreiben und auch solche, die sich "nur" dafür interessieren, sie alle, und noch viel mehr, suchen nach Antworten auf ihre vielen, nie enden wollenden, den "Profis" oft "primitiv" erscheinenden philatelistischen Fragen.
An Literatur, die vorgibt, diese Fragen beantworten zu wollen oder zu können, vor allem, für die er ja bezahlen soll, hat dieser Briefmarkensammler den legitimen Anspruch, daß die sich an seinem Wohlergehen, seinen Interessen orientiert, auf keinen Fall Selbstzweck der Autoren, oder, schlimmer, der einer "gegnerischen" Lobby ist.
Es fällt in der Philatelie besonders auf, daß der scheinbar nur in anderen Wirtschafts- oder Zivilrechtsbereichen strafrelevante Begriff der "Unterlassung" mehr als locker gehandhabt wird. Kunstvoll geschönte, Tatsachen umkehrende Beschreibungen und die mißbräuchliche Benutzung philatelistischer Begriffe gehören ebenso zur Tagesordnung.
Wird diese "Praxis" dann gar in der Literatur in der Art genutzt, ein bestimmtes Verhalten, den Vorteil einer bestimmten Interessentengruppe provozieren zu wollen, disqualifiziert sie sich selbst.
Der Sammler muß argumentativ untermauerte Wissensvermittlung erwarten können, die ihm gestattet, die für ihn richtigen und logischen Schlüsse zu ziehen.
Bei der Auswahl solcher Literatur wird der Sammler sehr genau beachten müssen, aus welcher Ecke solche Schriften kommen.
Tatsachen
Vorweg:
Das kleinformatige Michel „Sammler ABC“ mit seinen 152 Seiten erfüllt diese Ansprüche nicht!
Die Einleitung zu diesem Buch verspricht: „Beim Durchlesen dieses Buches erfährt man alles, was für den Beginn einer Briefmarkensammlung wichtig ist“.
Auf knapp 67 Seiten wird dann Wissen zur Herstellung der Briefmarken und dem „Drumherum“ vermittelt, ehe man erstmals etwas zum „Sammeln“ erfährt.
Und ab diesem Punkt ist alles durchwoben von im Text eingebundener Werbung für die Michel-Produkte, was ja OK ist, Michel bzw. der Schwaneberger Verlag ist schließlich Herausgeber dieses Büchleins. Mit gewaltigem textlichen Aufwand werden Vordruckalben als das Seligmachende herausgestellt, Abos bei der Post und, ja, möglichst auch anderer Staaten wärmstens empfohlen, die Briefmarkenhändler, die nicht mehr wegzudenkende Wichtigkeit herausgestellt und, man höre und staune, man erfährt, daß es Fachleute gibt, die für das Manipulieren, Entschuldigung, Reparieren von Briefmarken ihr Fachwissen zur Verfügung stellen. Und man erfährt weiter, daß solche Marken an sich gekennzeichnet sein sollten, aber das nähme man nicht so genau.
Weiter ist dort zu lesen, daß der nicht mehr wegzudenkende Briefmarkenhandel die Briefmarken, die er für 100 % an die Sammler verkauft, nur noch für 50 bis 60 % unter diesem Preis zurückkaufen kann. Er bräuchte halt eine bestimmte Verdienstspanne, die aufgrund ständig steigender Allgemeinkosten ebenfalls größer werden muß.
An anderer Stelle wird ein Beispiel gegeben: Ein verkaufswilliger Sammler, der die Mi.-Nr. 430 – 434 (Nothilfe Deutsches Reich), Katalogpreis € 240,--, anbietet, solle sich nicht wundern, wenn ihm der Händler dafür „nur“ € 180,-- anbietet, wo er diesen Satz selbst doch für € 220,-- im Fenster zum Verkauf anbietet.
Selbst der des Kopfrechnens Fähige wird hier grübelnd sein Haupt hin und her bewegen, der informierte Briefmarkensammler sich verwundert die Augen reiben, der Erfahrene in brüllendes Gelächter ausbrechen, ein anderer die Frage nach einer Spendenquittung stellen – und der „Anfänger“ fluchtartig den Raum verlassen.
Realismus scheint eingekehrt zu sein, wenn der Autor, unbeabsichtigt?, die Folgen seiner Empfehlungen beschreibt: „Sie (die Briefmarkensammlung) bringt neben der Freude und Entspannung beim Sammeln auch eine Anlage, die sogar einmal ein Notgroschen sein kann“ und an anderer Stelle: „.... auch öfters mal ein Gewinn abfällt, das sollte man als erfreulichen Nebeneffekt ansehen“.
Meine Güte, welche Güte.
Nicht weniger lustig ist die Information, daß Briefmarkenausgaben mit einem mehr als 50%igen Zuschlag als philatelistisch schädliche Ausgabe gewertet werden – es sei denn, der Zuschlag fließt philatelistischen Zwecken zu.
Das hört sich ja fast nach grenzenloser Gier an.
Beim den nächsten Beispielen muß man fragen, was sich der Autor, als er dies schrieb, dachte? „Wenngleich ein Briefmarkensammler seine Schätze nicht zusammenträgt, um sie eines Tages gewinnbringend verkaufen zu können ...“
Und noch schlimmer: „Wenngleich das Sammeln von Briefmarken in erster Linie eine Freizeitbeschäftigung sein soll, so wird es doch nicht wenige Sammler geben, die mit einem Auge auf die Bewertungen ihrer Marken schielen“.
Und dann wieder Realismus pur: „Sie (die Briefmarkensammlung) bringt neben der Freude und Entspannung beim Sammeln auch eine Anlage, die sogar einmal ein Notgroschen sein kann“.
Mehr ist bei der empfohlenen Sammelart wohl auch nicht drin.
Ganz tolle Perspektiven tun sich für die jungen Sammler auf, die „sich mit wenig Kopfzerbrechen dazu entschließen, für ihr Land ein Vordruckalbum zu wählen“ und, weiter, „Langes Überlegen wird dem Besitzer eines solchen Albums abgenommen, er braucht die benötigten Marken nur zu kaufen und im Album unterzubringen“. Ach ja, und ganz wichtig: damit er es nicht vergißt, sollte er, um den pünktlichen Erhalt der Nachträge für diese Alben garantiert zu bekommen, auch gleich ein Abonnement abschließen.
Und dann spricht der Autor auch noch eine wichtige Warnung aus:
„Damit aber nicht durch falsches Beginnen, durch vage Informationen, die von unbedarften Außenstehenden kommen, oder durch andere ungünstige Einflüsse ein kümmerliches Versagen eintritt, das den Anfänger früher oder später resignierend die Waffen strecken läßt, ist es wichtig, zu wissen, wie man es richtig macht.
Bewertung
Dieser letzte aus diesem Büchlein zitierte Satz beinhaltet alle Wahrheit der Philatelie – allerdings genau gegenläufig zu dem, was der Autor zu suggerieren versucht.
Was hier dem Sammler zu vermitteln versucht wird, entspricht genau dem Rezept, das in den vergangenen rund 55 Jahren so jämmerlich versagt hat: der Briefmarkenhandel, die Zubehör- und Kataloghersteller, die Post, die Briefmarken-Zeitschriften und ein diffuser Verband, mit einem Wort: die Briefmarken-Lobby, machten, und wollen es gerne weiterhin, blendende Geschäfte zu Laster der Sammler, die am Schluß mit leeren Händen dastehen.
Da ist nirgends auch nur die geringste Hinweis darauf zu lesen, daß die eben von dieser Lobby initiierte Machwerke, also künstlich geschaffenen Sammelobjekte, wie FDC, ETB und Konsorten der letzten rund 55 Jahre quasi wertloser Ramsch sind, ebenso wie die in Vordruckalben gesammelten, nicht mehr postgültigen Einzelmarken. Auch die Entstehung der unrealistischen, für die Sammler schädlichen Katalognotierungen wird nur, ohne, daß es jemand nachvollziehen könnte, unkommentiert beschrieben.
Noch ein letzter, aber nicht der letztmögliche, Satz aus diesem Werk: „Die Unterbringung einer Sammlung in einem Einsteckbuch bzw. –album dürfte auf die Dauer aber kaum befriedigen“.
Wen? Klar, die Vordruckalben-Hersteller!
Das Beste für die Sammler ist halt nicht das Beste für die Briefmarkenlobby.
Urteil
nicht empfehlenswert